Experten: Menschliche Pfarrerfigur bringt Religion ins Fernsehen

epd-Logo Berlin (epd). Religion kann in Fernsehserien oder Spielfilmen nur über glaubwürdige Figuren transportiert werden. Zu diesem Fazit kamen Drehbuchautoren, Wissenschaftler und Journalisten am Mittwochabend in Berlin bei einer Tagung zum Thema Kirche im fiktionalen Programm. "Durch einen unterhaltsam inszenierten Fernsehpfarrer kann Religion präsent sein. Ein fiktionaler Stoff über Institutionen funktioniert dagegen nicht", sagte Claudia Nothelle, Programmdirektorin des RBB.

Die von der EKD und dem Verband Deutscher Drehbuchautoren organisierte Veranstaltung ging der Frage nach, warum in Serien oder Fernsehfilmen meist Polizisten oder Ärzte als Helfer in der Not auftreten, Polizeiseelsorger oder Gemeindepfarrer jedoch kaum auftauchen.

Die Skepsis der Gesellschaft gegenüber der Kirche sei mittlerweile Unwissenheit oder Gleichgültigkeit gewichen, sagte Nothelle. "Viele jüngere Kollegen in den Redaktionen haben schlicht keine Erfahrung mehr mit Kirche." Religion sei längst nicht mehr selbstverständlicher Teil des Alltags, was sich auch im Programm niederschlage. Gleichzeitig gebe es heute jedoch wieder eine größere journalistische Neugier und Offenheit für religiöse Stoffe. "Eine intelligente Geschichte um einen Pfarrer funktioniert auch heute. Dafür müssen wir die Redaktionen stärker sensibilisieren."

Ohne Show oder Krimi lasse sich eine Pfarrer-Serie im Fernsehen aber nicht verkaufen, wandte Lorenz Stassen ein. Stassen ist Autor der ZDF-Krimireihe "Ihr Auftrag, Pater Castell", in der der Pater in der ganzen Welt Kriminalfälle zu lösen hat. Auch hier wird der Pater als Alltagsheld mit Herz inszeniert - nicht als Repräsentant einer Institution.

"Im fiktionalen Programm funktioniert Religion nur, wenn sie nicht belehrend daherkommt, sondern als Angebot zur Bewältigung von Alltagssituationen", bestätigte Ronald Uden, Professor für christliche Publizistik an der Universität Erlangen. In seiner Analyse von Serien und Filmen rund um den Pfarrerberuf hat er aber gleichzeitig festgestellt, dass sakrale Handlungen wie Beichte oder Gottesdienste häufiger gezeigt werden. "In den letzten zehn bis 15 Jahren gibt es eine Resakralisierung der Pfarrerfilme. Das Religiöse rückt wieder in den Vordergrund", erläuterte Uden.

Das Publikum sei zunehmend auf der Suche nach Sinn und verlange nach Orientierung, sagte Stassen. Daher müssten religiöse Aspekte nicht nur über Pfarrerserien angesprochen werden, sondern auch bei ethischen Themen wie beispielsweise der Stammzellenforschung. "Das ist vielleicht die Zukunft der Kirche im Fernsehprogramm."

03. Dezember 2009

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