EKD-Friedensbeauftragter: Afghanistanbilanz verdeutlicht Versäumnisse

epd-Logo Bremen (epd). Der Fortschrittsbericht der Bundesregierung zu Afghanistan verdeutlicht nach Auffassung des kirchlichen Friedensbeauftragten Renke Brahms ein "eklatantes Missverhältnis" zwischen Militär und zivilen Hilfen. Er zeige, dass im zivilen Aufbau "viel versäumt worden ist", sagte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Donnerstag in einem epd-Gespräch. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte am Vormittag im Bundestag zu dem Bericht eine Regierungserklärung abgegeben.

Westerwelle betonte, die Lage in Afghanistan sei weiterhin kritisch. Es gebe aber auch Erfolge, so bei der wirtschaftlichen Entwicklung und bei der Schulausbildung von Mädchen. Brahms lobte zwar, dass neun Jahre nach dem Start des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan erstmals eine Zwischenbilanz vorgelegt wurde, schränkte aber ein: "Das wurde auch Zeit." Kirchen und Friedensinitiativen hätten diese Bilanz schon vor Jahren gefordert, sagte der leitende Bremer Theologe.

Entwicklungen wie die seit 2006 erheblich verschlechterte Sicherheitslage würden beim Namen genannt, sagte Brahms. Dies und auch der wenig erfolgreiche Kampf gegen die Korruption in Afghanistan zeigten, dass diplomatisch noch immer zu wenig getan werde, um die Lage zu befrieden. Zudem würden zwar erstmals Voraussetzungen erwähnt, die nötig seien, damit das Militär abziehen könne. "Es ist aber immer noch zu wage formuliert, was bis wann erreicht sein muss."

Deutschland will seine Truppen ab 2012 aus Afghanistan schrittweise abziehen. 2014 soll die Sicherheitsverantwortung dann voll an die Afghanen übergeben werden. "Ich hoffe sehr, dass diese zeitliche Perspektive eintreten kann", betonte Brahms. Dieser Wunsch richte sich auf drei Bereiche: "Dass das Land stabil ist, die Afghanen in einigermaßen gesicherten Verhältnissen leben und die deutschen Soldaten mit Blick auf ihre Familien baldmöglichst zurückkehren können." Ende Januar muss der Bundestag über das künftige Afghanistan-Mandat entscheiden.

17. Dezember 2010

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