Film des Monats: "Der Kick"
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Der Dokumentarfilmer Andres Veiel und die Dramaturgin Gesine Schmidt wollten mehr über die Hintergründe und Umstände der Tat erfahren. Auf der Grundlage von Vernehmungsprotokollen, Gerichtsakten und Interviews haben sie ein dokumentarisches Theaterstück geschrieben, das die Tat nicht erklärt, aber sie in einen sozialen, historischen und familiären Zusammenhang stellt. Eine Schauspielerin und ein Schauspieler stellen ganz allein die etwa 20 Rollen dar. Die Täter, ihre Eltern, die Mutter des Opfers, der Bürgermeister, der Pfarrer und andere kommen zu Wort. Die Bühne bildet eine Fabrikhalle, in der eine Bank und ein Container, der als Verhörzelle oder Gerichtssaal fungiert, die einzige Dekoration bilden.
Der Film folgt der Inszenierung des Theaterstücks, verstärkt jedoch durch Naheinstellungen und Geräusche die beklemmende Atmosphäre. Jenseits unmittelbarer Reflexe löst der Film einen Prozess der Erkenntis aus, der nach den Ursachen der Gewalt fragt.
Durch die antinaturalistische Reduktion der filmischen Mittel wird hör- und wahrnehmbar, was unerträglich und unfassbar scheint: eine seelische Verwahrlosung, eine Empfindungslosigkeit und Gewaltbereitschaft, die eine ihrer Wurzeln in der Perspektivlosigkeit der Dorfbewohner hat. Sie verstehen sich als Verlierer, die vergessen wurden und sich überflüssig vorkommen. Über die monströsen Handlungen der Täter hinaus werden Resignation, Abstumpfung und Verbitterung spürbar, eine alltägliche Entzivilisierung, die den Hintergrund für ihre Taten bildet.
Kinostart: 21. September 2006
